Die Enttäuschung ist mittlerweile gewichen, jetzt überwiegt bei Falk Wendrich eindeutig die Vorfreude auf das große Ereignis. Der Hochspringer des LAZ Soest wurde vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in sein Team für die Europameisterschaften in Birmingham berufen. Der 31-Jährige hatte sich kürzlich bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid seinem langjährigen Konkurrenten Tobias Potye (Munich Athletics) bei Höhengleichheit knapp geschlagen geben müssen und dabei auch mit einem missglückten dritten Sprung über 2,19 Meter eine große Chance auf den Titel nicht nutzen können. Doch mit der Erfüllung der Bestätigungsnorm von 2,23 Metern, erzielt bei den Tagen der Überflieger vor einigen Wochen in Essen sowie der erforderlichen Platzierung in der europäischen Bestenliste hat Wendrich auch ganz formal die Qualifikation für die kontinentalen Titelkämpfe in England erfüllt.
Wenn es am Dienstag im Alexander Stadium ab 11.15 Uhr für den Soester mit der Hochsprung-Qualifikation ernst wird, hat er es nach eigenen Angaben geschafft, sich durch gute Trainingseinheiten wieder Selbstvertrauen zurückzuholen. Bestes Beispiel dafür war das abschließende Techniktraining am vergangenen Mittwoch, wo er 2,19 Meter meistern konnte. „Was mich wirklich erleichtert und zum perfekten Zeitpunkt kommt, dass meine Probleme im linken unteren Rückenbereich endlich nachgelassen haben und ich ohne Einschränkungen springen kann“, ist Wendrich ebenso froh, dass er gesundheitlich auf der Höhe ist. Vollständig schmerzfrei an den Start gehen zu können, erhöhe bei ihm deutlich die Vorfreude auf die EM-Qualifikation. Zuletzt sei es selten der Fall gewesen, befreit an der Ablaufmarke zu stehen.
„Der Fokus liegt voll auf der Qualifikation. Mit einer Saisonbestleistung von 2,23 Metern kann ich nicht eben so im Vorbeigehen das Finale erreichen“ weiß der LAZ-Athlet genau, dass bei ihm am Dienstag höchste Konzentration gefordert sein wird. Die EM bedeutet für ihn den Höhepunkt der Saison. „Ich möchte technische Sauberkeit mit gleichzeitig hoher Intensität verbinden. Kräfte sparen kommt also nicht in Frage und ist auch nicht nötig“, sagt Wendrich. „Zwischen Quali und Finale am Freitag liegen drei Erholungstage. Das kommt mir entgegen. Wenn das Ziel Finalteilnahme erreicht ist, dann kann ich neue Pläne schmieden, aber vorerst muss ich einen Schritt nach dem anderen machen“.
Auf der internationalen Bühne hat der Soester in seiner Karriere mit der Silbermedaille bei den U20-Weltmeisterschaften 2012 in Barcelona und dem Sieg bei der Universiade in Taipeh 2017 schon so manchen großen Erfolg eingefahren. Außerdem wurde er bei den U23-Europameisterschaften 2017 in Bydgoszcz Fünfter, bei den Hallen Europameisterschaften holte er 2019 in Glasgow Platz 7 bei den Männern. Zudem feierte er mit der deutschen Nationalmannschaft 2021 bei den Team-Europameisterschaften in Chorzow Rang vier. Diese Kontinentalmeisterschaft in Polen war auch gleichzeitig der bislang letzte internationale Titelkampf für ihn. Danach prägten Verletzungen den weiteren Karriereverlauf mit Achillessehnenanriss 2022 und einem Kreuzbandriss 2023. Dieser verhinderte infolge eines langwierigen Heilungsprozesses später auch einen möglichen Olympiastart 2024 in Paris. Im Vorjahr war das Glück ebenfalls nicht auf der Seite Wendrichs, als er bei der DM in Dresden nur denkbar knapp an der Qualifikationshöhe für einen WM-Start in Japan scheiterte.
Doch das ist für ihn mittlerweile Schnee von gestern. Jetzt gilt die ganze Aufmerksamkeit des 2,29-Meter-Springers nur dem EM-Start in Birmingham. hab
Die Europameisterschaft in der ARD und im ZDF:
Dienstag: Qualifikation im Hochsprung der Männer
ab 11.15 Uhr, Wettkampfbeginn 11.33 Uhr (ZDF-Hauptprogramm)
Stream, Sportstudio ZDF-Mediathek
Freitag: Finale im Hochsprung der Männer
Wettkampfbeginn 21.00 Uhr
(ARD-Hauptprogramm 20.15 – 23.15 Uhr)
Stream, Sportschau ARD-Mediathek


