Wendrich trotz DM-Silber enttäuscht

Es sei überhaupt nicht klar, was beim Männer-Hochsprung passieren würde, hatte Falk Wendrich vor den Deutschen Meisterschaften vermutet. Dass der Titel am Ende mit der bescheidenen Höhe von 2,15 Meter vergeben wurde, damit hatte sicherlich niemand gerechnet, ist aber auch nur ein Teil der Geschichte, die sich in der Wattenscheider Lohrheide abspielte. Und der Athlet des LAZ Soest war einer von zwei Springern mit dieser Leistung in der Ergebnisliste. Doch den DM-Titel holte sich ein anderer, nämlich Tobias Potye von Munich Athletics, Wendrichs langjähriger Konkurrent. Aber was war jetzt genau geschehen?

Nachdem sich die Konkurrenten nach und nach verabschiedet hatten, waren Wendrich und Potye bereits bei 2,15 Metern die einzig verbliebenen Sportler im Kampf um Hochsprung-Gold. Während der Münchner die Höhe im ersten Versuch meisterte, benötigte der Soester zwei Anläufe. Vorteil: Potye. Doch bei den anschließend aufliegenden 2,19 Metern wurde es erst richtig dramatisch. Potye reisst die Latte im ersten Versuch, Wendrich ebenfalls. In Durchgang zwei fällt die Latte bei dem Münchner wiederum, der nach einem unkoordinierten und unsicheren Anlauf beim Absprung mit dem Kopf gegen den Hochsprungständer schlägt und sich eine blutende Wunde zufügt. Wie Wendrich später berichtet, hatte sein Widersacher mit Wadenkrämpfen zu kämpfen und verzichtete massiv angeschlagen auf einen möglichen dritten Sprung. Für den LAZ-Athleten, der mit seinem zweiten Anlauf ebenfalls gescheitert war, ergab sich jetzt die große Chance, mit einem erfolgreichen dritten Versuch seinen ersten Deutschen Freilufttitel in der Männerklasse perfekt zu machen. Doch der misslang.

Der Soester wählte nachher drastische Worte und sprach von einer oder sogar der größten sportlichen Enttäuschung seiner Karriere. Er habe keine Erklärung, warum er in seiner momentanen, körperlich recht guten Verfassung drei Mal an 2,19 Metern scheitern konnte. „Die Goldmedaille liegt auf dem goldenen Tablett und alles, was ich machen muss, ist, über 2,19 Meter einen gültigen Versuch hinzubekommen“, stellt er frustriert fest.  „Ich hatte mich federleicht gefühlt. Das Einspringen war sehr gut. Ich war absolut überzeugt, im Dritten schaffe ich es, aber die Latte ist gefallen“.

Wendrich will das Geschehene jetzt schnellstens hinter sich lassen. „Ich nutze die nächsten zwei Wochen, springe einfach im Training 2,20 Meter und hole mir so mein Selbstvertrauen zurück“, sagt er. Das benötige er nämlich für die Qualifikation bei den Europameisterschaften Mitte August in Birmingham. Der 31-Jährige ist von seiner Nominierung für die kontinentalen Titelkämpfe in England fest überzeugt, denn die Bestätigungsnorm von 2,23 Metern konnte er in dieser Saison schon abhaken und zu den 30 besten Springern Europas, die über die Bestenliste teilnahmeberechtigt sind, gehört er ebenfalls. hab