24 Stunden zuvor hatte er sich noch nicht entschieden, ob er überhaupt an den Start gehen würde, am Sonntag wurde Falk Wendrich vom LAZ Soest in Dortmund Deutscher Hallenmeister im Hochsprung der Männer. Drei Tage vor den Titelkämpfen in der Helmut-Körnig-Halle habe er noch mit 39 Grad Fieber und tiefsitzendem Husten im Bett gelegen, berichtet der 30-Jährige. Als es ihm dann relativ schnell besser ging, trug am Ende auch ein selbst auferlegtes Gedankenkonstrukt am Beispiel von Dirk Nowitzki, der vor Jahren trotz eines Infektes seinem Team in den NBA-Finals zum Titel verhalf, zur positiven Entscheidung für seine Teilnahme bei.
Die Vorstellung, trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung leistungsfähig zu sein, habe ihm Mut gemacht, sagt Wendrich. Als Einstiegshöhe hatten sich seine Trainerin Brigitte Kurschilgen und er auf moderate 2,05 Meter festgelegt. Diese Höhe und auch die anschließend aufliegenden 2,10 Meter meisterte der LAZ-Athlet jeweils im ersten Versuch. Gut sei der Sprung über 2,10 Meter aber keinesfalls gewesen. „Es hat genau so eben gereicht, für keinen Zentimeter mehr“. Dass dieser Sprung bereits den Titelgewinn für den Soester bedeutete, konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht wissen.
Bei 2,14 Metern verabschiedeten sich mit Marlon Gräfe (LG Region Karlsruhe) und Niklas von Zitzewitz (VfL Eintracht Hannover) auch die beiden letzten noch im Wettbewerb verbliebenen Konkurrenten. Einzig Wendrich war im zweiten Versuch erfolgreich. „Das war der erste Sprung für mich, den ich gut getroffen habe“, erinnert er sich. Das Ende bedeutete das für ihn aber noch nicht, denn nach zwei Fehlversuchen über die von ihm jetzt selbst gewählten 2,19 Meter überflog er diese Höhe im dritten Anlauf ebenfalls. „Es ist mir hierbei gelungen, einfach alles zusammenzubringen. Ich konnte Geschwindigkeit und Energie optimal in den Absprung übertragen, die Kurveninnenlage halten und dann explosiv nach oben auflösen“. An diesem Tag sei dies der beste Sprung gewesen, den er habe schaffen können. Zumindest im Rahmen der Möglichkeiten sei es ein nahezu perfekter Sprung gewesen, erklärt der glückliche Meisterspringer.
Als kalkulierte Verrücktheit bezeichnet Wendrich im Nachhinein seine Entscheidung, die Latte anschließend auf 2,27 Meter legen zu lassen. „Eigentlich habe ich selbst nicht daran geglaubt und in der ganzen Halle wahrscheinlich auch niemand“, gibt er zu. „In der Vergangenheit habe ich allerdings auch schon viele Überraschungen geschafft. Auch wenn kein Mensch in dem Moment ernsthaft daran geglaubt hat, dass ich an diesem Tag über 2,27 Meter fliege. Wohl eher, dass da der verrückte Falk anläuft“.
Letztlich seien die drei Versuche zwar nicht einmal annähernd knapp ausgefallen, aber immerhin ein optimales Training für die Zukunft gewesen. Erstaunliches Fazit des Soesters, der sich nach mehreren Vizetiteln und dritten Plätzen seinen ersten deutschen Meistertitel in der Männerklasse sichern konnte: „Es war für mich ein Wettkampf wie im positiven Fiebertraum. Irgendwo zwischen Fokussierung und Erschöpfung, Zweifeln und Loslassen. Insgesamt eine Erfahrung, die ich im Nachhinein nicht missen möchte“.
Wendrich will seinem Körper jetzt „die notwendige Pause geben, um den Infekt vollständig ausheilen zu lassen“. Nach ein paar Urlaubstagen beginnt für ihn dann die Vorbereitung auf die Freiluftsaison. hab


